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Infinite Summer


Vulkanbesteigung – zum Gipfel des Mount Batur

Als wir durch die vielen Reiseberichte über Bali stöberten, stießen wir nicht nur auf die vielen unterschiedlichen Tempelanlagen, die es zu bewundern galt, sondern auch auf zwei Vulkane. Bali ist bekannt für seine Vulkane, die zwei bekanntesten sind der Gunung Agung und der Mount Batur. Der Gunung Agung misst stolze 3.142m Höhe, während sein kleiner Bruder, der Mount Batur,  mit „lediglich“ einer Höhe von 1.717m nur die Hälfte erreicht. Als ich hörte, dass die Vulkane teilweise noch aktiv sind, habe ich kurz überlegt, mich zu gruseln, dann aber doch eher an die armen Menschen gedacht, die in der Nähe wohnen oder gar auf die Idee kommen, den Gunung Agung oder Mount Batur zu besteigen. So verrückt können nur die Ureinwohner Balis sein – die Affen!

So verrückt sind doch nur die Affen ... aber wir?
So verrückt sind doch nur die Affen … aber wir?

Wer besteigt schon einen aktiven Vulkan?

Mal ehrlich: Einen Vulkan besteigen? Wer kommt denn auf so eine wahnwitzige Idee? Einen Vulkan? Wirklich? Ernsthaft? Ach Quatsch. Nein, doch! Als ich zum ersten Mal die Worte solch einer Idee in meinem Kopf verarbeitet hatte, dachte ich nur: Das mach ich niemals! Also wirklich, ich? Sowas würden viele meiner Freunde machen, aber auch nur, weil sie gern wandern, weil sie sich in den Bergen wohlfühlen, weil sie gern auf Gipfeln stehen und den Blick über die Ferne schweifen lassen. Aber ich? Ach komm. Und dann kam der Moment, in dem ich mir dachte, dass ich auch einfach mal den Schweinehund vom Berg schubsen und selbst auf Überwindungstour gehen kann!

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Der Beweis dafür, dass auch du es schaffen kannst!

Die Planung des Irrsinns

Nachdem ich es endlich geschafft hatte, nicht mehr leicht panisch kurz vor der Hyperventilation zu stehen, begannen wir, uns mit der Planung der Tour auseinanderzusetzen. Der ursprüngliche Plan war es, den Gunung Agung zu besteigen. Weil wenn, dann richtig! Als Nicht-Bergsteiger kann man doch schon mal auf über 3.000m klettern. Dachte sich zumindestens mein abenteuerlustiges Gegenüber. Meine Skepsis war da leider zwischen uns. Ganz groß nahm sie Form an und schubste uns schlussendlich … zum Mount Batur. Man kann ja auch klein anfangen. Wobei klein fragwürdig ist bei ganzen 1.717m Höhe. Worauf hatte ich mich nur eingelassen? Die Schnapsidee, den Berg allein zu erklimmen, wurde schnell wieder verworfen. Wir besannen uns eines Besseren und begannen in Lovina die Touren-Preise zu vergleichen. Nachdem wir zehn unterschiedliche Anbieter abgeklappert hatten, entschieden wir uns schlussendlich für einen Indianer. Oder zumindestens sah er so aus, als würde er gleich ums Feuer mit uns tanzen. Ziemlich cool war er! Er hatte aber auch den besten Deal. Und ich mag beste Deals. Sehr!

Freunde zu Besuch!
Und die beiden auch! Mittendrin und hautnah dabei 🙂

Lasst das Abenteuer beginnen!

Gleich am nächsten Morgen stürzten wir uns ins Abenteuer. Hätte ich nicht völlig übermüdet um 2 Uhr morgens die Reise antreten müssen, hätte ich es mir wahrscheinlich noch einmal anders überlegt. Einen Vulkan besteigen? Ich? Waaah! Wer hatte denn die Idee? Der kann doch nur irre sein! Oder abenteuerlustig. Ich buchte es unter „Selbsterfahrung“ ab. Als Psychologin sollte man sich schließlich selber ganz gut kennen und seine eigenen Ängste überwinden. Und verdammt, ich hatte Angst. Zu meinem Glück waren die Angst und ich mitten in der Nacht nicht so gute Freunde, die Müdigkeit gepaart mit der nächtlichen Eiskälte (ernsthaft Bali?) waren hingegen treu an meiner Seite.

Wenn sich die Sonne langsam am Horizont zeigt ...
Wenn sich die Sonne langsam am Horizont zeigt …

Eingemummelt in alle Sachen, die ich finden konnte, fuhren wir nachts um 2 Uhr mit unserem Guide los. Hätte ich auch nur eine Sekunde darüber nachgedacht, dass uns ein zweistündiger Serpentinen-Marathon bevorsteht … oh oh oh, was hätte ich zum zweihundertsten Mal darüber nachgedacht! Als wir schlussendlich am Fuße des Vulkans ankamen, war ich nicht mehr Herr meiner Sinne. Mein Körper entglitt mir, mir stand der Schweiß auf der Stirn, ein Schauer lief mir über den Rücken … und dann begrüßte ich den Mount Batur im äußersten Maße! Noch heute ist es ein Running Gag, wenn wir über Bali reden: „Weißt du noch, damals am Mount Batur, als du am Fuße des Vulkans voll ge… hast? Das werd ich nie vergessen.“ – so witzig es im Nachhinein erscheint, so unwitzig war es vor Ort.

Gib nicht auf, wenn du weißt, dass du diese Aussicht haben kannst!
Gib nicht auf, wenn du weißt, dass du diese Aussicht haben kannst!

Aber kein Grund aufzugeben! Beweis es dir selbst!

Der Aufstieg in der Dunkelheit war für mich das schlimmste. Leider. Gar nicht mal, weil der Weg so unbezwingbar war oder jeder nur den Strahl seiner Taschenlampe zur Orientierung hatte, sondern eher, weil es mir so wahnsinnig schlecht ging. Mein Magen drehte sich, feierte wild mit der Magensäure – alles in mir schrie „leg dich hin, leg dich hin, hör auf!“ – immer wieder musste ich unseren Guide darum bitten, mich kurz hinzusetzen, um tief durchatmen zu können. Es war mir peinlich, ich kam mir so dumm vor. Was war denn bitte los? Ich hatte doch vorsorglich sogar etwas gegessen! Aber der Körper, der spielt gern herum, wie er möchte. Und so atmete ich Schritt für Schritt die kühle Bergluft ein, in der Hoffnung, dass es irgendwann besser werden würde. Umdrehen war für mich keine Option! Ich hatte schließlich eingewilligt, meinen inneren Schweinehund zu besiegen. Mein Gesicht wollte ich wahren, auch vor mir selbst. Außerdem hatten wir eine Mission: Wir mussten schneller sein als der Sonnenaufgang! Denn dieses farbenfrohe Lichterspiel wollten wir schließlich vom Gipfel des Mount Batur betrachten 🙂

Die Belohnung ist diese farbenfrohe Vielfalt - einfach unvergesslich!
Die Belohnung ist diese atemberaubende farbenfrohe Vielfalt – einfach unvergesslich!

Auch auf die letzten Meter ging es mir nicht besser. Während alle munter und fröhlich vor sich herspazierten, kämpfte ich mit jedem Schritt. Ich hatte in dem 2 stündigen(!) Aufstieg nicht einmal die Zeit, mir selber Leid zu tun. Ich wollte nur, dass wir endlich das Ziel erreichen! Zum Glück hatten wir unseren Guide dabei, der meine Hand nahm, den Weg für mich mit wählte und mich an seiner Seite die letzte Etappe nach oben führte. Ohne ihn wäre ich verloren gewesen. Über Schutt und Asche steigend, hätte ich die Welt umarmen können, als wir endlich den Gipfel erreicht hatten – ich hatte es geschafft! Ich! Ich! ICH!

Willkommen auf dem Mount Batur, du hast es geschafft!
Willkommen auf dem Mount Batur, du hast es geschafft!

Die Belohnung: Der Blick von ganz oben!

Gegen 6 Uhr morgens hatten wir die Spitze des Mount Batur in Bali erreicht. Pünktlich zum Sonnenaufgang. Nebst diesem bevorstehenden Erlebnis erwarteten uns eine kleine Holzhütte und ein paar Bänke, auf denen wir uns schnell einen Platz sicherten. Denn hinter uns waren noch viele andere kleine Gruppen auf der Reise zu uns, um gemeinsam das tägliche Wunder der Natur zu bestaunen. Mit einem warmen Tee und einem frisch zubereiteten Bananenbrot (warme Banane auf Toast, mhhh) in den Händen, warteten wir, bis sich die Sonne endlich Schritt für Schritt am Horizont zeigte und den Himmel samt Tal in schillerndste Farbtöne hüllte. Mit jeder Minute, die verstrich, tauchten andere Farben auf. Jedes Photo sah anders aus. Anfangs schwach gräulich, mit wenigen Farbtupfern. Zum Ende hin in den verschiedstenen Rottönen, die uns zärtlich umhüllten.

Gemeinsam stark auf dem Mount Batur - einsam ist hier niemand!
Gemeinsam stark auf dem Mount Batur – einsam ist hier niemand!

Mount Batur – Der Weg, deine innere Stärke zu finden!

Der anschließende Abstieg war im Vergleich zu all den bisherigen Strapazen zwar etwas rutschig, dafür aber beflügelt und verträumt. Also hör auf zu zögern und trau dich! Es war das großartigste Abenteuer Indonesiens! Und es könnte auch deins werden! Du musst dich nur trauen – sei stärker als deine Angst, sei bereit, über dich selbst hinauszuwachsen! Die Belohnung, dieses Gefühl danach, … das kann dir niemand mehr nehmen. Und vor allem nicht dieses Lächeln, welches deine Lippen sanft umspielt. Und ganz sicher nicht das Funkeln in deinen Augen, wenn sich die Natur um dich herum in ein sanftes Farbenmeer hüllt. Du bist stark, mindestens genauso stark wie ich! Worauf wartest du also?

Der Moment, wenn du es geschafft hast, wenn du stark warst, wenn dir die Welt zu Füßen liegt ...
Der Moment, wenn du es geschafft hast, wenn du stark warst, wenn dir die Welt zu Füßen liegt …

Es war atemberaubend. All die vielen Farben. Der Himmel in dieser Pracht. Es war das Schönste, was ich jemals gesehen hatte. Es war all die Strapazen wert. Und dazu diese Aussicht … und dann dieses Wissen, dass DU es geschafft hast! Einmalig!

Tipps für die optimale Besteigung des Mount Batur

  • Besorg dir einen Guide samt Tour. Wir hätten den Weg niemals allein zur Spitze des Vulkans gefunden. Neben einem sicheren Aufstieg, hast du auch den Vorteil, dass du von deiner Unterkunft abgeholt und zum Mount Batur gefahren wirst. Unsere großen Rucksäcke konnten wir idealerweise im Auto lassen, da wir neben unserem lokalen Guide auch zwei Fahrer hatten, die auf uns gewartet und auf unser Hab und Gut aufgepasst haben. Ganz entspannt zum Sonnenaufgang! (Im Paket inklusive: Abholung von zwei Fahrern, lokaler Guide, Wasserflaschen, Frühstück sowie Rückfahrt zu gewünschter Unterkunft)
  • Sei dir bewusst, dass es kalt ist. Es ist wirklich kalt. Die warmen 30 Grad vom vorherigen Abend werden dich leider nicht begleiten. Obwohl ich am liebsten in kurzen Hosen und Flipflops durch die Weltgeschichte spaziere, war ich froh, dass ich eine lange Hose samt Jacke angezogen hatte. Trotz des Aufstiegs wurde mir nicht richtig warm und die finale Wartezeit auf den Sonnenaufgang tat ihr übriges.
  • Trag die richtigen Schuhe. Im Idealfall hast du sogar Wanderschuhe dabei. Durch Schutt und Asche wird der Weg teilweise sehr rutschig. Gerade beim Abstieg kann man ganz schön ins Schlittern kommen. Sei dir dessen bewusst und vorsichtig!
  • … vergiss die Photos nicht! 🙂

 

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